Gastblog von Viviane Gut: Silikon in der Wundheilung. Teil 1

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Silikon Applikation

 

Weißt du noch, wie du zum ersten Mal eine Prise Salz abgemessen hast? Hast du dich dabei nicht auch gefragt, warum so wenig genügen soll – und ob diese Kleinigkeit tatsächlich einen Unterschied für den Kuchen macht? Doch auch wenn die Menge winzig erscheint, hat sie dennoch einen spürbaren Einfluss auf den Geschmack und sogar die Teigstruktur.

 

Bei der Verwendung von Silikonprodukten in der Narbentherapie verhält es sich ähnlich. Ein wenig Kunststoff kann für die Narbenträger:innen einen grossen entscheidenden Unterschied machen. Im folgenden Beitrag möchte ich Dir aufzeigen, bei welchen Narbensymptomen Silikon sinnvoll sein kann. 

 

Die Behandlung von Narben mit Silikon begann in den 1980er-Jahren, nachdem Forscher deutliche Verbesserungen bei hypertrophen Verbrennungsnarben beobachteten. Auch wenn vereinzelte Studien keine eindeutige Wirkung zeigen, belegen viele einen signifikanten Nutzen, weshalb Silikon in internationalen Leitlinien als Therapie der „ersten Wahl“ empfohlen wird.

 

Es gibt zwei Hauptwirkmechanismen:

 

Silikonprodukte wirken wie eine schützende, leicht abdichtende Schicht. Dadurch bleibt mehr Feuchtigkeit in der Haut, was über verschiedene zellbiologische Prozesse die entzündungsfördernden Faktoren im Gewebe reduziert. Frische Narben verlieren in den ersten Monaten 50–80 % mehr Feuchtigkeit als gesunde Haut, und pathologische Narben zeigen zusätzlich immer erhöhte entzündliche Aktivitäten. Über diesen Wirkmechanismus lässt sich die Linderung von Juckreiz, die schnellere Reduktion der Rötung und Abflachung der Narben erklären. 

 

Obwohl in der Fachliteratur kaum thematisiert, ist der zweite Wirkmechanismus für mich im therapeutischen Alltag ebenso entscheidend. Silikonprodukte verändern mechanische Reize, welche auf die Narben einwirken. Sie reduzieren Druck, Reibung und bei richtiger Applikation (Narbenpflaster) auch Zug. Die dazugehörigen Symptome sind Euch allen bekannt: Druckempfindlichkeit (z.B. BH-Bügel, Hosenbund etc.), Dysästhesien (z.B. der Kontakt mit Kleidern), Spannungsgefühl….

 

Silikon kann als Gel oder als sog. gel sheet (Pflaster) verwendet werden. Es kommt immer erst nach vollständigem Wundverschluss zum Einsatz. 

 

Genauso wie eine Prise Salz aus einem misslungenen Kuchen kein Wunderwerk macht, kann auch ein Silikonpflaster keine Narben zum Verschwinden bringen (auch wenn die Werbung uns das gerne suggeriert). Doch durch die schützende Abdichtung und die Verminderung mechanischer Reize können Narbensymptome entscheidend und mit sehr wenig Aufwand verbessert werden. 

 

In meinem nächsten Beitrag gebe ich Euch ergänzende Informationen darüber, welche Narben besonders von Silikon profitieren, wann Gel oder Pflaster sinnvoller sind, die Verwendung im Allgemeinen sowie die Tragedauer.

 

 

Viviane Gut ist Physiotherapeutin aus der Schweiz und fand während ihrer Arbeit mit Schwerbrandverletzten zum Thema Narben. 

In einer interdisziplinären Praxis begleitet sie heute gemeinsam mit Wundexpertinnen und Chirurginnen das Narbenmanagement.

 

 

 

 Silicone application

 

Do you remember the first time you measured out a pinch of salt? Didn't you wonder why so little was needed—and whether this tiny amount would actually make a difference to the cake? But even though the amount seems tiny, it still has a noticeable effect on the taste and even the texture of the dough.

 

The use of silicone products in scar therapy is similar. A little plastic can make a big difference for people with scars. In the following article, I would like to show you which scar symptoms silicone can be useful for. 

 

The treatment of scars with silicone began in the 1980s after researchers observed significant improvements in hypertrophic burn scars. Although isolated studies do not show a clear effect, many demonstrate significant benefits, which is why silicone is recommended as the “first choice” therapy in international guidelines.

 

There are two main mechanisms of action:

Silicone products act as a protective, slightly sealing layer. This keeps more moisture in the skin, which reduces the inflammatory factors in the tissue through various cell biological processes. Fresh scars lose 50–80% more moisture than healthy skin in the first few months, and pathological scars also show increased inflammatory activity. This mechanism of action explains the relief of itching, the faster reduction of redness, and the flattening of scars. 

 

Although hardly discussed in the specialist literature, the second mechanism of action is just as crucial for me in everyday therapeutic practice. Silicone products alter the mechanical stimuli that affect scars. They reduce pressure, friction and, when applied correctly (scar patches), also tension. You are all familiar with the associated symptoms: pressure sensitivity (e.g., bra underwires, waistbands, etc.), dysesthesia (e.g., contact with clothing), feeling of tension, etc.

 

Silicone can be used as a gel or as a so-called gel sheet (plaster). It is always used after the wound has completely closed.

 

Just as a pinch of salt cannot turn a failed cake into a miracle, a silicone plaster cannot make scars disappear (even if advertising would have us believe otherwise). However, the protective seal and reduction in mechanical irritation can significantly improve scar symptoms with very little effort.

 

In my next post, I will provide additional information about which scars benefit most from silicone, when gel or patches are more appropriate, general usage, and how long to wear them.

 

 Viviane Gut is a physical therapist from Switzerland who discovered the topic of scars while working with patients who had suffered severe burns.

Today, she works in an interdisciplinary practice alongside wound experts and surgeons to provide scar management support.